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Februar 2009: Der Name der Krise

Exklusivbeitrag von Georg Fülberth

Ganz große Wirtschaftskrisen verbreiten bei den Zeitgenoss(inn)en Unsicherheit. Sie kamen bisher jeweils nur einmal pro Jahrhundert (1873 ff., 1929 ff. , 2007 ff.) vor, sodass sie von niemandem, der/die sie erlebte, mit irgendeiner anderen eigenen Erfahrung verglichen werden können. (Etwas anders steht es mit den zyklischen Einbrüchen, die ca. alle zehn Jahre stattfinden. Eine besondere Ausnahme war das "Goldene Zeitalter" des Kapitalismus 1947 - 1975: 28 Jahre ohne Krise!)
So muss es nicht wundernehmen, dass die gegenwärtige Groß-Rezession sehr unsicher analysiert wird: niemand scheint zu wissen, wie lange sie dauern und welche Folgen sie haben wird. Selbst die Namensgebung tastet und führt teilweise in die Irre. 2007 sprach man von einer Immobilienkrise. Die gab es zunächst nur in den USA. 2008 war sie zu einer Finanzkrise geworden. Mittlerweile ist das schon wieder eine Beschönigung, denn längst ist z.B. die Automobilbranche mit ihren zahlreichen Zulieferern getroffen, mittlerweile aber auch die gesamte Weltwirtschaft - eine Weltwirtschaftskrise.
Wann begann sie - tatsächlich erst 2007?
Oft wird vergessen, dass es schon im Jahre 1975 einen weltweiten Konjunktureinbruch gegeben hat. Er beendete das "Goldene Zeitalter". In diesem hatte es einige Jahre eine Art Kräftegleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit gegeben. Ab 1973 löste es sich zugunsten des Kapitals auf. Dieses entzog sich der Produktion und wurde in wachsendem Maße in der Zirkulation, in der höhere Renditen winkten, angelegt. Dadurch ging die Nachfrage nach Arbeit zurück - die Löhne sanken, damit aber auch die Nachfrage und damit die Gewinnchancen in der Warenproduktion. Der Einbruch konnte zunächst auf drei Weisen überspielt werden:
1. durch die Bildung von Blasen in der Spekulation: Aktien wurden zu immer höheren Kursen gehandelt;
2. durch die Informationstechnologie. Ihre Produkte waren inzwischen zur Industriereife gediehen und bedienten zu immer geringeren Preisen (für PCs und Handies z.B.) einen Massenmarkt. Deshalb strömte immer mehr Kapital in diese Branche, es entstand dort eine weitere Blase, die 2001 platzte.
3. Obwohl die Einkommen der Lohnabhängigen sanken, ging deren Konsum zunächst nicht im gleichen Maße zurück: insbesondere in den USA konnte man auf Kredit kaufen. Dieser wurde für den Ankauf von Immobilien gegeben, die anschließend spekulativ aufgewertet und für weiteren Konsum neu beliehen werden konnten. Hinzu kamen breite Einkaufsmöglichkeiten auf Kreditkarte. Die Immobilienblase platzte 2007, die Kreditkarten-Blase gibt es noch.
Die Ursache der gegenwärtigen Krise liegt also über dreißig Jahre zurück. Manche mögen sie eine Unterkonsumtionskrise nennen. Davon spricht man, wenn aufgrund gesunkener Masseneinkommen nicht alles, was angeboten wird, gekauft werden kann. Da diese Lücke längere Zeit durch Kredite überbrückt werden kann, ist der Ausdruck "Unterkonsumtionskrise" nicht ausreichend.
Zu berücksichtigen ist nämlich die Tatsache, dass das auf Konten und in Produktionsanlagen angehäufte Kapital nicht mehr genügend ausgelastet ist. Gewiss kann die Nachfrage immer wieder einmal durch neue Produkte oder eben auch durch Kredite angeregt werden. Auch staatliche Nachfrage vermag Abhilfe zu schaffen. Sie hat immer wieder ihre problematischen Seiten: Rüstung und Krieg.
Diese Maßnahmen reagieren auf eine Tatsache, die der Unterkonsumtion zugrunde liegt: Überakkumulation. Deshalb sollte man die gegenwärtige Krise eine Überakkumulationskrise nennen.

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