Anares geht klimaneutral
Der seit 1989 (Vorläufer) bzw. 1991 (Firmengründung) bestehende Anares Buch- und Medienvertrieb ist zugegeben angesichts aktiennotierter Buchversender ein David der Branche, doch ohne falschen Stolz können wir sagen, dass wir in Sachen Kreativität und Engagement noch so manchem Goliath die lange Nase zeigen können.
Ab 2009 ist Anares der erste klimaneutrale Buch- und Medienvertrieb im deutschsprachigen Raum. Dieser Schritt stellt für uns keine simple "green washing"-Aktion (mit der man beispielsweise Flüge "klimaneutral" stellen kann), sondern ein ernsthafter Ausdruck unserer Verantwortung für das Klima und die Zukunft. Denn das Klimaziel ist neuesten Medienberichten zufolge kaum noch zu erreichen; in dieser Situation wäre es zynisch, untätig zu bleiben. Ein "Ablasshandel", der als Freibrief für Verschmutzung genommen wird, ist dagegen unsinnig, der Handel von "Verschmutzungsrechten" alleine ändert ja nichts an der globalen Klimaentwicklung.
Die Klimaneutralität ist für uns eigentlich nur folgerichtig, haben wir doch bereits von Beginn an so weit möglich ökologisch gewirtschaftet. Beispiele dafür sind:
- dezentrale Wirtschaftsweise (z.B. werden Druckaufträge innerhalb Deutschlands, bevorzugt in der Region, vergeben)
- Verzicht auf ein eigenes Auto zugunsten der Nutzung von Leihfahrzeugen im Bedarfsfall, Fahrten z.B. zur Buchmesse und zu Fach-Veranstaltungen erfolgen zumeist mit der Bahn
- Seit Jahren sind wir atomstromfrei /Belieferung durch EWS Schönau)
- Verpackungsmaterial wird so weit möglich recycelt, ansonsten so weit möglich ökologisch gekauft (Hauptlieferant: Memo)
- Weitgehende Verwendung von Recyclingpapier, auch sonstiges Büromaterial, z.B. Ordner, wird soweit möglich wiederverwendet
- Druckerpatronen und Toner-Kartuschen soweit möglich nachgefüllt, seitdem dies möglich ist
- CD´s, DVD´s etc. werden zum Recycling gegeben (Fa. Remedia)
- Wir haben ein umfassendes Buchangebot zu ökologischen Themen
- Gebrauchte Bücher, die uns überlassen werden, werden soweit möglich nochmals verwertet: entweder bibliographiert und in unserem Webshop angeboten, restauriert oder als Spende an gemeinnützige Institutionen weitergegeben; erst wenn dies alles nicht möglich ist, werden sie ins Altpapier gegeben
Doch all das war natürlich eher Flickwerk als ein stringentes Konzept. Erst im Jahr 2008 haben wir uns entschlossen, den gerade für einen kleinen Betrieb nicht so einfachen Weg zur Klimaneutralität zu gehen. Da wir nicht eben mal eine Person übrig haben, die wir eigens dafür beschäftigen und bezahlen könnten, haben wir uns entschlossen, mögliche Institutionen zu suchen, mit denen eine Kooperation möglich ist. Das war zunächst nur von mäßigem Erfolg gekrönt, sowohl das Bundeswirtschaftsministerium wie das Umweltbundesamt gaben sich bemerkenswert desinteressiert bzw. meldeten sich gar nicht zurück.
Nach einigen Umwegen wurden wir durch die Weiterleitung einer unserer Anfragen fündig bei der RKW Bremen. Von dort rief uns ein Herr Martin Schulze an, der u.a. für Massnahmen des betrieblichen Umweltschutzes bei kleinen Unternehmen zuständig ist. Mit Herrn Schulze, der sich auch in der Folge sehr für uns engagierte, legten wir zunächst einmal die sogenannte "Systemgrenze" fest: definiert werden muss erst mal, was man erreichen will (die "Ziele"), welcher Schadstoffausstoss in welchen Bereichen anfällt, was überhaupt realistischerweise berücksichtigt werden kann, welche Möglichkeiten der Reduzierung und Vermeidung es gibt etc. Grundsätzlich gilt: Vermeidung von CO2-Ausstoss geht vor Verringern, Verringern geht vor Kompensieren, denn letztlich führen nur die Vermeidung und Verringerung zu einer unmittelbar besseren Emissionsbilanz.
Dann mussten die anfallenden Emissionen ermittelt wurden. Hier hatten wir das grosse Glück, vom Bremer Energie-Konsens als Pilotprojekt anerkannt zu werden. Denn diese Emissionsermittlung ist sehr aufwendig, sie geht über z.B. den Stromverbrauch bis zur einzelnen Kaffeetasse, die während der Arbeit getrunken wird. Berücksichtigt werden natürlich z.B. auch die Fahrten zu Buchankäufen, Veranstaltungen wir Lesungen etc. (einschliesslich Anfahrt von ReferentInnen und Publikum), Werbung wie Flyer usw. Ein simpler Emissionsrechner "von der Stange" ("carbon footprint"), wie er auf etlichen Internetseiten zu finden ist, hilft angesichts dieser Komplexität nicht weiter. Deshalb kann eine detaillierte Analyse der betriebliche Vorgänge und der dabei ausgestossenen Emissioonen auch schnell ein paar Tausend Euro kosten. So war es wirklich ein Glücksfall, das Frau Stehmeier vom Energie-Konsens uns als "Überzeugungstäter" (positiv gemeint!) betrachtete, unser Vorhaben mit entsprechendem eigenen Einsatz begleitete und uns auch über die Kostenhürde hinweghob.
Natürlich fragten wir auch andere klimaneutrale Betriebe und Projekte nach ihren Erfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass die Klimaneutralität eben nur eine Möglichkeit ist, etwas zu tun. So hat sich das ACC Weimar (Café, Restaurant, Galerie) entschlossen, statt der Kompensationsabgaben das Geld eher in Anlagen zu investieren, die unmittelbar zur CO2-Minderung beitragen. Denn wenn auch am Anfang ohnehin die Vermeidung von CO2-Emissionen steht (schliesslich soll ja "nur" der Rest kompensiert werden), ist es doch gerade angesichts der begrenzten Ressourcen kleiner Betriebe immer wieder die Frage, was man finanzieren kann und wo Aufwand und Effekt im besten Verhältnis zueinander stehen.
Doch zurück zu unserem Puzzle. Es ging nun darum, in welchen Bereichen unserer Arbeitsabläufe welche Optimierungsmöglichkeiten bestehen.
Vergleichsweise einfach ist noch die Suche nach klimaneutralen Druckereien, Servern etc., denn in diesem Bereich gibt es zum Glück schon etliche Angebote (unser Server ist Strato).
Mittlerweile gibt es auch eine klimaneutrale Suchmaschine (Forestle.de), die wir bei uns als primäre Suchmaschine eingerichtet haben.
Die wohl schwierigste Frage ist die Errechnung von Mittelwerten für den Kohlendioxid-Ausstoss beim Postversand. Denn die Post hat zwar ein "go green"-Angebot, gab jedoch trotz wiederholter Nachfragen keinerlei Zahlen heraus. Man verweist dort lediglich auf eine Norm ISO 14064, die jedoch beim Patent- und Normenzentrum der Hochschule Bremen nicht vorliegt. Auch das Umweltbundesamt ist nicht hilfreich, dort verweist man auf das Öko-Institut, das ebenfalls nicht helfen kann. Wir müssen uns hier deshalb erst mal behelfen: die Post kompensiert bei Ihren "go green"-Päckchen einen Ausstoss im Wert von umgerechnet je 10 Cent. Da unsere Büchersendungen ja erheblich kleiner und im Schnitt auch deutlich leichter sind als das durchschnittliche Päckchen, leisten wir pro Büchersendung eine Kompensationsabgabe von 5 Cent.
Da wir bisher lediglich Mieter sind und kein eigenes Gebäude haben, sind auch die Möglichkeiten, z.B. auf Energiespar-Massnahmen, eine effizientere Heizung etc. einzuwirken, sind leider gering. Aber was nicht ist kann ja noch werden, wenn viele mittun...
Im Juli 2009, in der Endphase der Umstellung zum klimaneutralen Buchvertrieb, sahen wir den Film "Home" von Luc Besson. Nachdrücklich wird dort sowohl die Schönheit der Natur ebenso gezeigt wie ihre Vernichtung durch die Menschen, etwas durch Raubbau, Verkehr, Landwirtschaft, Fleischkonsum, Regenwaldabholzung. Das rund die Hälfte der Menschheit in küstennahen Bereichen lebt, der Kampf gegen den Klimawandel mithin nicht einfach eine "Luxusangelegenheit", sonder etwas buchstäblich existentielles ist, hat auch uns wieder motiviert, die letzten Schritte anzugehen.
Doch was tun mit dem unvermeidbar anfallenden Rest an Kohlendioxid-Ausstoss? Er wird durch ein sogenanntes Kompensationsprojekt ausgeglichen. Dabei galt es zunächst, zu überlegen, welche Art der Kompensierung möglichst sinnvoll erschien. Denn zum einen kann man in erneuerbare Energiegewinnung "investieren", z.B. Solar- und Windkraftanlagen. Das hat natürlich auch einen klimatologischen Effekt, teils auch einen sozialen (z.B. dezentrale Energieversorgung nach regionalen Bedürfnissen in "Entwicklungsländern", statt Holz können z.B. Solarkocher zum Kochen benutzt werden, Schaffung von Arbeitsplätzen). Unmittelbarer setzen unserer Ansicht aber Wiederaufforstungsprojekte an, sowohl an den Lebensbedingungen vor Ort wie auch hinsichtlich dessen, das damit eine bereits erfolgte Zerstörung zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht werden kann (zumal der wachsende Wald zusätzlich Kohlendioxid bindet, das freilich im Fall z.B. von Waldbränden oder erneuter Abholzung auch wieder freigesetzt wird). Wichtig ist uns dabei auch, dass die sozialen Bedingungen der Menschen, die in den Forstprojekten mitarbeiten, berücksichtigt werden. Es kommt also nur ein Projekt infrage, dass (durch unabhängige Institutionen bestätigt!) sowohl die ökologische wie auch die soziale Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die Region spielt dagegen keine Rolle: für die globale Klimawirkung von Emissionen ist der Ort einer Emission irrelevant.
Alles in allem: der bisherige Weg war steinig, doch lehrreich. Ruhigen Gewissens können wir nun sagen: unsere Bücher verändern (bzw. versuchen mit unseren Möglichkeiten die Veränderung des Klimas ein bisschen weniger schlimm ausfallen zu lassen). Wenn schon Konsum, dann nachhaltig. Schliesslich: "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann", sagte Francis Picabia. Insofern wollen wir auch etwas ändern und bewegen: nämlich die Konsumierenden auf ihren Teil der Mitverantwortung aufmerksam machen, Wege zu umweltbewusstem Verhalten aufzeigen und Denkprozesse mit anstossen. Damit es nun endlich möglich ist: Nachhaltig belesen (im doppelten Sinn, denn auch das Lesen selbst soll ja seine Spuren hinterlassen...) mit Anares!
NEU BEI ANARES: DIE ABWRACKPRÄMIE FÜR ALTBÜCHER
Wir bieten 100 Euro Ankaufspreis für 100 Bücher, die mindestens 9 Jahre alt sind. Voraussetzung: Sie kaufen für mindestens 555 Euro Bücher bei uns, die höchstens 8 Jahre alt sind - dies kann einmalig geschehen oder auch in Form einer Vorauszahlung (Bücherkonto) abgerechnet werden. Diese Massnahme soll einerseits symbolisch sein: wir stellen die Lesekultur der Autogesellschaft entgegen - schliesslich arbeiten mehr Menschen im Kulturbereich als in der Autoindustrie und Lesen ist ein Beitrag zum Klimaschutz: die Bücher produzieren, wenn sie erst einmal hergestellt wurden, kein Kohlendioxid mehr, es braucht auch keine immer weitere Zersiedelung der Landschaft durch Umgehungsstrassen etc. für sie. Kurzum: Wirtschaftsförderung und Umweltschutz lassen sich im kulturellen Sektor bestens vereinbaren. Aus diesen Gründen fordern wir auch eine entsprechende staatliche Unterstützung für unsere Initiative.
Das Lesen als Möglichkeit des Ausgangs aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant) zu fördern, sollte oberste Priorität bei einer Gesellschaft haben, die sich immer gerne auf ihre kulturelle wie geistesgeschichtliche Tradition beruft. Insofern verstehen wir unsere Initiative auch als Anstiftung zum Auf- bzw. Ausbau von Familien-, Betriebs-, WG- etc. Bibliotheken.
Weitere Informationen, auch für die Presse, erhalten Sie gerne jederzeit direkt bei uns. Da wir keinen grossen Etat für die Öffentlichkeitsarbeit haben, freuen wir uns über alle, die unsere Initiative fördern möchten, z.B. über entsprechende Hinweise in Internetforen, Mitteilungen in der Presse, Einbeziehung von Institutionen der Leseförderung und des Buchhandels, Ansprechen von Verlagen, öffentliche Diskussion und Forderungen an staatliche Entscheidungsgremien.
Vielen Dank für die Mithilfe bei unserer Initiative und herzliche Grüsse vom Anares Buchvertrieb
KLASSENTREFFEN
Lange Nächte der Anarchie in Bremen
Anarchismus wird heute meist mit Terror und Chaos gleichgesetzt, als etwas fast so Verwerfliches wie das Beharren auf Utopien in einer Zeit, da allerorten mit dem „Sachzwang“ argumentiert wird. Dabei hat eine Welt der Bosse und Banken gerade vorgeführt, dass die Welt von Geiz und Gier die wirklich destruktive ist. Nachdem die Karre an die Wand gefahren ist und sich die Menschheit noch für Jahrzehnte mit den ruinösen Folgen (der aufgehäuften Schuldenlast, einem ruinierten Klima etc.) herumschlagen muss, wollen wir nicht tatenlos bleiben. Ein anderes, ein ganz anderes Klima ist auch im übertragenen Wortsinn nötig, eine andere Welt ist möglich. Gerade der Verweis auf die Geschichte und Zukunft, Theorie und Praxis der anarchistischen Bewegung scheint uns nach wie vor Inspirationen und Ansatzpunkte zu bieten für eine Welt, wie sie uns gefiele. Utopisch? Ja, vielleicht. Aber was haben uns die Sachzwangverwalter gebracht? Und immerhin gehörten Anarchist_innen zu den ersten, die vor ökologischer Zerstörung warnten, gegen nationalistischen Wahnsinn und Kriegstreiberei pazifistisch und grenzüberschreitend agierten, und die Notwendigkeit einer konsequenten Frauenemanzipation betonten. Hierarchie- und Herrschaftskritik, Selbstorganisation, Gleichberechtigung, weltweite soziale und ökonomische Gerechtigkeit sind einige der Stichworte, die auf unserer Agenda stehen, und Anarchist_innen haben dazu eine Menge Ideen, damals und heute. Knappe 30 Stunden, von Freitagabend bis in die Nacht um Sonntag, sind natürlich viel zu wenig, um über die anarchistische Vielfalt zu informieren, zu diskutieren und nicht zuletzt auch zu tanzen. Aber ein Anfang ist es, nicht nur um die Grenzen in den Köpfen aufzubrechen. Denn nur wer sich eine andere Welt vorstellen kann und wer an die Veränderbarkeit der Verhältnisse (statt an politische und religiöse Führer) glaubt, wird sich für eine emanzipatorische Gesellschaft engagieren. Worauf warten wir? Die beste Zeit, um mit der Veränderung zu beginnen, ist immer der Augenblick, hier und jetzt. Also, bildet Haufen, kommt in Scharen!
Unser Programm:
Freitag 12.6.
19:00 Volxküche Sielwallhaus (Am Sielwall)
20:00 Lesung von Michael Halfbrodt über surrealistische & libertäre Poesie
21:30 Lese-Performance mit Roland Kremer zum „Recht auf Faulheit“
23:00 Party in der Friese (Friesenstrasse): Subversive Drum´n Bass Dance Beats mit dem Hönkel Sound System & Revolte Offbeatz DJ (Jugendzentrum Friesenstr.)
Samstag 13.6.
13:00 Brunch mit Kaffee Libertad aus Chiapas und anderen Leckereien
14:00 Lesung mit Michaela Kilian: „Keine Freiheit ohne Gleichheit – Louise Michel“
15:30 Vortrag von Siegbert Wolf: „Den Sozialismus beginnen – Gustav Landauers sozialistischer Anarchismus“
17:00 Gespräch mit Uwe Kurzbein (ehem. Kommune Lutter, jetzt Olgashof) über das Leben in Kommunen
18:30 Pause/ Essen
19:00 Input und Diskussion mit Friederike Pfaff über Anarchafeminismus
20:30 Input und Diskussion mit Jürgen Mümken über Postanarchismus – Anarchistische Theorie in der Postmoderne
22:00 Vortrag und Diskussion mit Christoph Spehr über Freie Menschen in freien Vereinbarungen
00:00 Das Mitternachtskino zeigt den Film „Surplus oder Konsumterror“ von Erik Gandini über den anarchistischen Philosophen John Zerzan
Ausserdem: Grosser Büchertisch des Anares Buchvertrieb aus Bremen
Alle Veranstaltungen finden (soweit nicht anders angegeben) im Paradox (Bernhardstr.im Ostertor/Steintor) statt.
Eintritt ist frei (bis auf die Vokü)
Veranstaltet von den FreundInnen der Anarchie
Infos stehen unter www.lange-naechte-der-anarchie.org |