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Anares geht klimaneutral

by Anares, published on Saturday 12 September, 2009.

Der seit 1989 (Vorläufer) bzw. 1991 (Firmengründung) bestehende Anares Buch- und Medienvertrieb ist zugegeben angesichts aktiennotierter Buchversender ein David der Branche, doch ohne falschen Stolz können wir sagen, dass wir in Sachen Kreativität und Engagement noch so manchem Goliath die lange Nase zeigen können. Ab 2009 ist Anares der erste klimaneutrale Buch- und Medienvertrieb im deutschsprachigen Raum.

Dieser Schritt stellt für uns keine simple "green washing"-Aktion (mit der man beispielsweise Flüge "klimaneutral" stellen kann), sondern ein ernsthafter Ausdruck unserer Verantwortung für das Klima und die Zukunft. Denn das Klimaziel ist neuesten Medienberichten zufolge kaum noch zu erreichen; in dieser Situation wäre es zynisch, untätig zu bleiben. Ein "Ablasshandel", der als Freibrief für Verschmutzung genommen wird, ist dagegen unsinnig, der Handel von "Verschmutzungsrechten" alleine ändert ja nichts an der globalen Klimaentwicklung.

Die Klimaneutralität ist für uns eigentlich nur folgerichtig, haben wir doch bereits von Beginn an so weit möglich ökologisch gewirtschaftet. Beispiele dafür sind:

  • dezentrale Wirtschaftsweise (z.B. werden Druckaufträge innerhalb Deutschlands, bevorzugt in der Region, vergeben)
  • Verzicht auf ein eigenes Auto zugunsten der Nutzung von Leihfahrzeugen im Bedarfsfall, Fahrten z.B. zur Buchmesse und zu Fach-Veranstaltungen erfolgen zumeist mit der Bahn
  • Seit Jahren sind wir atomstromfrei /Belieferung durch EWS Schönau)
  • Verpackungsmaterial wird so weit möglich recycelt, ansonsten so weit möglich ökologisch gekauft (Hauptlieferant: Memo)
  • Weitgehende Verwendung von Recyclingpapier, auch sonstiges Büromaterial, z.B. Ordner, wird soweit möglich wiederverwendet
  • Druckerpatronen und Toner-Kartuschen soweit möglich nachgefüllt, seitdem dies möglich ist
  • CD´s, DVD´s etc. werden zum Recycling gegeben (Fa. Remedia)
  • Wir haben ein umfassendes Buchangebot zu ökologischen Themen
  • Gebrauchte Bücher, die uns überlassen werden, werden soweit möglich nochmals verwertet: entweder bibliographiert und in unserem Webshop angeboten, restauriert oder als Spende an gemeinnützige Institutionen weitergegeben; erst wenn dies alles nicht möglich ist, werden sie ins Altpapier gegeben.

Doch all das war natürlich eher Flickwerk als ein stringentes Konzept. Erst im Jahr 2008 haben wir uns entschlossen, den gerade für einen kleinen Betrieb nicht so einfachen Weg zur Klimaneutralität zu gehen. Da wir nicht eben mal eine Person übrig haben, die wir eigens dafür beschäftigen und bezahlen könnten, haben wir uns entschlossen, mögliche Institutionen zu suchen, mit denen eine Kooperation möglich ist. Das war zunächst nur von mäßigem Erfolg gekrönt, sowohl das Bundeswirtschaftsministerium wie das Umweltbundesamt gaben sich bemerkenswert desinteressiert bzw. meldeten sich gar nicht zurück.

Nach einigen Umwegen wurden wir durch die Weiterleitung einer unserer Anfragen fündig bei der RKW Bremen. Von dort rief uns ein Herr Martin Schulze an, der u.a. für Massnahmen des betrieblichen Umweltschutzes bei kleinen Unternehmen zuständig ist. Mit Herrn Schulze, der sich auch in der Folge sehr für uns engagierte, legten wir zunächst einmal die sogenannte "Systemgrenze" fest: definiert werden muss erst mal, was man erreichen will (die "Ziele"), welcher Schadstoffausstoss in welchen Bereichen anfällt, was überhaupt realistischerweise berücksichtigt werden kann, welche Möglichkeiten der Reduzierung und Vermeidung es gibt etc. Grundsätzlich gilt: Vermeidung von CO2-Ausstoss geht vor Verringern, Verringern geht vor Kompensieren, denn letztlich führen nur die Vermeidung und Verringerung zu einer unmittelbar besseren Emissionsbilan

Dann mussten die anfallenden Emissionen ermittelt wurden. Hier hatten wir das grosse Glück, vom Bremer Energie-Konsens als Pilotprojekt anerkannt zu werden. Denn diese Emissionsermittlung ist sehr aufwendig, sie geht über z.B. den Stromverbrauch bis zur einzelnen Kaffeetasse, die während der Arbeit getrunken wird. Berücksichtigt werden natürlich z.B. auch die Fahrten zu Buchankäufen, Veranstaltungen wir Lesungen etc. (einschliesslich Anfahrt von ReferentInnen und Publikum), Werbung wie Flyer usw. Ein simpler Emissionsrechner "von der Stange" ("carbon footprint"), wie er auf etlichen Internetseiten zu finden ist, hilft angesichts dieser Komplexität nicht weiter. Deshalb kann eine detaillierte Analyse der betriebliche Vorgänge und der dabei ausgestossenen Emissioonen auch schnell ein paar Tausend Euro kosten. So war es wirklich ein Glücksfall, das Frau Stehmeier vom Energie-Konsens uns als "Überzeugungstäter" (positiv gemeint!) betrachtete, unser Vorhaben mit entsprechendem eigenen Einsatz begleitete und uns auch über die Kostenhürde hinweghob.

Natürlich fragten wir auch andere klimaneutrale Betriebe und Projekte nach ihren Erfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass die Klimaneutralität eben nur eine Möglichkeit ist, etwas zu tun. So hat sich das ACC Weimar (Café, Restaurant, Galerie) entschlossen, statt der Kompensationsabgaben das Geld eher in Anlagen zu investieren, die unmittelbar zur CO2-Minderung beitragen. Denn wenn auch am Anfang ohnehin die Vermeidung von CO2-Emissionen steht (schliesslich soll ja "nur" der Rest kompensiert werden), ist es doch gerade angesichts der begrenzten Ressourcen kleiner Betriebe immer wieder die Frage, was man finanzieren kann und wo Aufwand und Effekt im besten Verhältnis zueinander stehen.

Doch zurück zu unserem Puzzle. Es ging nun darum, in welchen Bereichen unserer Arbeitsabläufe welche Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Vergleichsweise einfach ist noch die Suche nach klimaneutralen Druckereien, Servern etc., denn in diesem Bereich gibt es zum Glück schon etliche Angebote (unser Server ist Strato). Mittlerweile gibt es auch eine klimaneutrale Suchmaschine (Forestle.de), die wir bei uns als primäre Suchmaschine eingerichtet haben.

Die wohl schwierigste Frage ist die Errechnung von Mittelwerten für den Kohlendioxid-Ausstoss beim Postversand. Denn die Post hat zwar ein "go green"-Angebot, gab jedoch trotz wiederholter Nachfragen keinerlei Zahlen heraus. Man verweist dort lediglich auf eine Norm ISO 14064, die jedoch beim Patent- und Normenzentrum der Hochschule Bremen nicht vorliegt. Auch das Umweltbundesamt ist nicht hilfreich, dort verweist man auf das Öko-Institut, das ebenfalls nicht helfen kann. Wir müssen uns hier deshalb erst mal behelfen: die Post kompensiert bei Ihren "go green"-Päckchen einen Ausstoss im Wert von umgerechnet je 10 Cent. Da unsere Büchersendungen ja erheblich kleiner und im Schnitt auch deutlich leichter sind als das durchschnittliche Päckchen, leisten wir pro Büchersendung eine Kompensationsabgabe von 5 Cent.

Da wir bisher lediglich Mieter sind und kein eigenes Gebäude haben, sind auch die Möglichkeiten, z.B. auf Energiespar-Massnahmen, eine effizientere Heizung etc. einzuwirken, sind leider gering. Aber was nicht ist kann ja noch werden, wenn viele mittun...

Im Juli 2009, in der Endphase der Umstellung zum klimaneutralen Buchvertrieb, sahen wir den Film "Home" von Luc Besson. Nachdrücklich wird dort sowohl die Schönheit der Natur ebenso gezeigt wie ihre Vernichtung durch die Menschen, etwas durch Raubbau, Verkehr, Landwirtschaft, Fleischkonsum, Regenwaldabholzung. Das rund die Hälfte der Menschheit in küstennahen Bereichen lebt, der Kampf gegen den Klimawandel mithin nicht einfach eine "Luxusangelegenheit", sondern etwas buchstäblich existentielles ist, hat auch uns wieder motiviert, die letzten Schritte anzugehen.

Doch was tun mit dem unvermeidbar anfallenden Rest an Kohlendioxid-Ausstoss? Er wird durch ein sogenanntes Kompensationsprojekt ausgeglichen. Dabei galt es zunächst, zu überlegen, welche Art der Kompensierung möglichst sinnvoll erschien. Denn zum einen kann man in erneuerbare Energiegewinnung "investieren", z.B. Solar- und Windkraftanlagen. Das hat natürlich auch einen klimatologischen Effekt, teils auch einen sozialen (z.B. dezentrale Energieversorgung nach regionalen Bedürfnissen in "Entwicklungsländern", statt Holz können z.B. Solarkocher zum Kochen benutzt werden, Schaffung von Arbeitsplätzen). Unmittelbarer setzen unserer Ansicht aber Wiederaufforstungsprojekte an, sowohl an den Lebensbedingungen vor Ort wie auch hinsichtlich dessen, das damit eine bereits erfolgte Zerstörung zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht werden kann (zumal der wachsende Wald zusätzlich Kohlendioxid bindet, das freilich im Fall z.B. von Waldbränden oder erneuter Abholzung auch wieder freigesetzt wird). Wichtig ist uns dabei auch, dass die sozialen Bedingungen der Menschen, die in den Forstprojekten mitarbeiten, berücksichtigt werden. Es kommt also nur ein Projekt infrage, dass (durch unabhängige Institutionen bestätigt!) sowohl die ökologische wie auch die soziale Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die Region spielt dagegen keine Rolle: für die globale Klimawirkung von Emissionen ist der Ort einer Emission irrelevant.

Alles in allem: der bisherige Weg war steinig, doch lehrreich. Ruhigen Gewissens können wir nun sagen: unsere Bücher verändern (bzw. versuchen mit unseren Möglichkeiten die Veränderung des Klimas ein bisschen weniger schlimm ausfallen zu lassen). Wenn schon Konsum, dann nachhaltig. Schliesslich: "Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann", sagte Francis Picabia. Insofern wollen wir auch etwas ändern und bewegen: nämlich die Konsumierenden auf ihren Teil der Mitverantwortung aufmerksam machen, Wege zu umweltbewusstem Verhalten aufzeigen und Denkprozesse mit anstossen. Damit es nun endlich möglich ist: Nachhaltig belesen (im doppelten Sinn, denn auch das Lesen selbst soll ja seine Spuren hinterlassen...) mit Anares!

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